Wie vermeide ich den Rosenkrieg? Einvernehmliche Scheidung - Tipps und Vorteile [Gastartikel]

Einvernehmliche Scheidung

Wer sich mit dem Thema Scheidung befasst liest aus gutem Grund immer wieder, dass eine einvernehmliche Scheidung in jedem Fall einer streitigen Scheidung vorzuziehen sei. Warum das so ist und wie eine einvernehmliche Scheidung am besten funktioniert möchte ich dir gerne in diesem Beitrag näherbringen.

Was bedeutet einvernehmliche Scheidung

Von einer einvernehmlichen Scheidung spricht man, wenn sich die Ehegatten sowohl hinsichtlich der Scheidung als solche als auch hinsichtlich der Scheidungsfolgen einig sind. Dann beantragt der eine Ehegatte vertreten durch einen Rechtsanwalt die Scheidung und der andere Ehegatte muss diesem Antrag vor Gericht nur noch zustimmen.

Scheidungsfolgen meint hierbei etwa Regelungen hinsichtlich etwaiger Unterhaltszahlungen, die Aufteilung des gemeinsamen Hausrates oder Ansprüche aus dem Zugewinnausgleich.

Rosenkrieg

Welche Vorteile hat eine einvernehmliche Scheidung?

Gegenüber einer streitigen Scheidung, bei der alle Konfliktpunkte vor Gericht geregelt werden, hat eine einvernehmliche Scheidung drei große Vorteile: Sie spart Geld, sie geht schneller und sie schon eure Nerven.

Bei einer Scheidung berechnen sich sowohl die Rechtsanwalts- als auch die Gerichtskosten nach dem Verfahrenswert. Dieser Wert erhöht sich immer dann, wenn über einen neuen Themenbereich gestritten wird und das Gericht eine Regelung herbeiführen soll. Also etwa dann, wenn ihr euch nicht über die Höhe etwaiger Unterhaltszahlungen einige werdet oder das Gericht darüber entscheiden soll, wer welche Gegenstände aus dem früheren gemeinsamen Haushalt bekommen soll. Im Gegenzug bedeutet das, dass die Scheidung dann am günstigsten bleibt, wenn ihr Streitereien vor Gericht vermeidet und euch hinsichtlich dieser Punkte eigenständig einigt.

Je nach dem was ihr persönlich zu regeln habt und wie konfliktbelastet eure Trennung ist, kann es sinnvoll sein eure Regelungen schriftlich oder sogar in einer notariellen Scheidungsfolgenvereinbarung zu fixieren, zwingend notwendig ist dies jedoch grundsätzlich nicht.

Dadurch, dass es durch vorherige Einigung vor Gericht selbst nichts mehr zu Regeln gibt und einzig über die Scheidung selbst zu entscheiden ist, besteht hierbei zudem die Besonderheit, dass nur ein Anwalt benötigt wird. Dieser Anwalt stellt als Vertreter von einem von euch sodann förmlich den Antrag auf Ehescheidung und diesem Antrag muss dann nur noch vom anderen zugestimmt werden. Dies führt natürlich dazu, dass auch nur ein Mal Kosten für einen Rechtsanwalt anfallen und die Gesamtkosten der Scheidung damit reduziert werden.

Zudem ist eine einvernehmliche Scheidung gegenüber einer streitige erheblich schneller durchzuführen. Denn wenn beide Ehegatten nach der persönlichen Anhörung angeben, dass sie Scheidung wünschen und die Folgesachen geklärt sind spricht das Gericht die Ehescheidung aus, ohne zuvor noch weitere Sachaufklärungen – etwa die Ermittlung von den Vermögensverhältnissen oder ähnlichem – durchführen zu müssen.

Und nicht zuletzt ist auch die emotionale Belastung bei einer streitigen Scheidung nicht zu unterschätzen.

 Aus Gesprächen mit Mandanten, bei denen eine einvernehmliche Scheidung nicht stattgefunden hat, weiß ich, dass für viele von ihnen das langwierige Gerichtsverfahren eine Tortour war. Der zuvor in der Beziehung begonnene Konflikt wird vor Gericht weitergeführt und es scheint unmöglich dieser belastenden Situation zu entfliehen und einen Abschluss zu finden. Auch das entfällt, wenn man zuvor gemeinsam entschieden hat welche Aspekte man wie regeln möchte. Damit wird die Scheidung nicht zur Schlammschlacht.

Tipps, um die Scheidung einvernehmlich zu gestalten

Das wohl schwierigste an der einvernehmlichen Scheidung ist der Weg dorthin. Nach einer Trennung stehen häufig Wut und Verletzte Gefühle im Vordergrund. Dennoch gemeinsame Entscheidungen zu treffen ist in dieser Situation häufig nicht zu denken.

Daher ist es aus meiner Sicht wichtig einander erstmal Zeit zu geben die Trennung zu verarbeiten und nicht bereits mit der Trennung die Scheidungsfolgen unmittelbar klären zu wollen. Denn in der emotionalen Ausnahmesituation einer Trennung ist Kompromissbereitschaft in den meisten Fällen nicht besonders hoch.

Wenn dann der erste Schock überwunden ist, solltet ihr versuchen die Themen möglichst objektiv zu Bennen und herausfinden, in welchen Bereichen bei euch Regelungsbedarf besteht. Habt ihr gemeinsame Kinder? Dann solltet ihr zum Beispiel das Sorgerecht und das Umgangsrecht regeln. Bei einer gemeinsamen Wohnung muss geklärt werden, wer welche Sachen erhält und ob einer in der Wohnung bleibt oder nicht. Macht euch hierbei unbedingt klar, dass es bei diesen Fragen nicht darum geht, wer Schuld an der Trennung hat, sondern nur darum, die rechtliche Auseinandersetzung der Trennung zu regeln. Aus gutem Grund ist das Schuldprinzip im deutschen Scheidungsrecht abgeschafft worden!

Zudem hilft es oft sich klarzumachen, wie die rechtliche Grundsituation ist. Was passiert im Normalfall, wenn ein Gericht entscheiden würde. Nehmt die gesetzliche Regelung des Normalfalls als Ausgangspunkt eurer Debatte.

Und wenn ihr merkt, dass ihr Probleme habt, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, kann es hilfreich sein einen objektiven Dritten zu bitten das Gespräch zu leiten. Das kann ein guter Freund von euch beiden sein, ein Coach oder ein Mediator – wichtig ist, dadurch eine sachliche Ebene zu schaffen. Denn in den seltensten Fällen sind die Streitpunkte meiner Mandanten tatsächlich rechtlicher Natur, viel häufiger ist es so, dass Konflikte aus anderen Bereichen auf die rechtlichen Fragestellungen ausstrahlen, weil aus Frust und Wut versucht wird den anderen so zu bestrafen. Die Konsequenz ist in den meisten Fällen, dass die Scheidung für beide sowohl emotional als auch finanziell zur Zerreißprobe wird.

Fazit:

Mir ist bewusst, dass der Weg zur einvernehmlichen Scheidung nicht immer einfach ist, er lohnt sich aber. Ich empfehle jedem, sich die Zeit zu nehmen, die er braucht, um die Konflikte gemeinsam zu lösen und auch bei Bedarf Unterstützung von anderen anzunehmen. Denn am Ende kennt eine streitige Scheidung in der Regel nur Verlierer.

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Über den Gastautor

Ein Gastbeitrag von Rechtsanwalt Niklas Clamann aus Münster. Herr Clamann hat sich mit seiner Kanzlei auf die Durchführung von einvernehmlichen Online Scheidungen spezialisiert und kennt daher aus der Praxis sowohl die Herausforderungen als auch die Vorteile von einvernehmlichen Scheidungen. Weitere Informationen hierzu finden sie hier: Scheidung Online

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